In diesen Tagen vor Weihnachten wird die Post an Bord der Hanseatic Lloyd-Schiffe besonders freudig erwartet. Wenn auch nicht mehr so sehr wie noch vor wenigen Jahrzehnten, denn die Möglichkeiten der Kommunikation mit und auf einem Seeschiff haben sich mit den technischen Möglichkeiten erheblich verändert.
Lange Zeit hielten Schiffe lediglich mit Seefunk und Briefpost Kontakt zur Reederei. Seefunk ist drahtloser Funkverkehr, der zwischen Schiffen untereinander und mit der Küstenfunkstelle auf speziellen Frequenzbändern der Kurzwelle funktionierte. Im Jahr 1897 wurden diese Morsezeichen erstmals gesendet, bereits 1900 hatte sich der Seefunk durchgesetzt. Der allgemeine Seefunkverkehr in Deutschland begann 1907 mit der Küstenfunkstelle „Norddeich Radio“. Generationen von Seeleuten hielten über diese Küstenfunkstation Verbindung zu ihren Angehörigen an Land und zu den Reedereien. Was besonders an Feiertagen wie Weihnachten intensiv genutzt wurde. Über „Norddeich Radio“ sandte man Grüße an die Daheimgebliebenen und über die Küstenfunkstation erreichten einen deren Weihnachtsgrüße an Bord.
Radioanstalten zeichneten jahrzehntelang diese Grüße auf und übertrugen sie. Sendungen wie „Gruß an Bord“ erfreuten sich besonders zu Weihnachten großer Beliebtheit – und werden heute noch übertragen.
Ende der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts löste der Sprechfunk die drahtlose Morsetelegrafie langsam ab. Über die Küstenfunkstellen konnten Funksprüche von Seeschiffen ins öffentliche Telefonnetz weitergeleitet werden.
Mit der Einführung des internationalen Systems zivil genutzter Satelliten kam das langsame Ende des Seefunks. Die Kommunikation verläuft seitdem über eine Vielzahl von Satelliten, die über dem West- und Ostatlantik, Pazifik und dem Indischen Ozean stehen. „Norddeich Radio“ stellte 1999 den Betrieb ein. Damit verschwand übrigens auch der Beruf des Funkoffiziers.
Nach wie vor gehen Zertifikate, wichtige Unterlagen, die an Bord vorhanden sein müssen, die regelmäßig erscheinenden Notes to Mariners (NTM) und selbst kleine Ersatzteile per Post an Bord. In der Reederei wird alles gesammelt und dann alle drei bis vier Wochen zum nächsten Anlaufhafen geschickt, von wo aus dann alles an Bord gebracht wird. Der Postversand an Bord von Containerschiffen ist recht einfach, da die Schiffe strikt nach Fahrplan fahren. Die Tankschiffe der Flotte kündigen der Reederei einige Tage vorher an, wann sie in welchem Hafen eintreffen. Per Kurierdienst oder Spediteur geht die Post an den dortigen Agenten, der sie dann an Bord bringt und auf diesem Weg auch gleich die Post von Bord an die Reederei weiterleitet.
Natürlich können die Mannschaften gegen Gebühr alle Kommunikationsmöglichkeiten an Bord nutzen, können telefonieren oder dort angerufen werden. Da wir in einer modernen Kommunikationsgesellschaft leben, haben fast alle Seeleute ihr eigenes Handy an Bord dabei, das aber wie die Diensthandys der Schiffsführung nur in Küstennähe funktioniert. Auf Weihnachtsgrüße von daheim muss also heute keiner mehr verzichten. Nicht verzichten braucht der Seemann auch auf aktuelle Nachrichten. Einmal pro Tag erscheint an Bord der Hanseatic Lloyd Schiffe eine elektronische Zeitung, die über die wichtigsten Ereignisse auf der Welt oder in der Heimat in Kurzform informiert. Dieser News-Service wird ausgedruckt und in der Messe ausgelegt. Für die russisch sprechenden Crewmitglieder der Tankerflotte selbstverständlich in russischer Sprache.