
Die Überschrift dieses Beitrags – „Internationale Schifffahrt: Das Herzblut des Welthandels“ – ist dem Titel eines Kurzfilms entnommen, den die „International Chamber of Shipping (ICS)“ zusammen mit der „International Shipping Federation (ISF)“ vor einiger Zeit in Auftrag gegeben hat und der mittlerweile in aktualisierter Form auch auf dem Videokanal „Youtube“ von der interessierten Öffentlichkeit abgerufen werden kann. Der Film soll weltweit dazu beitragen, das Image der internationalen Seeverkehrswirtschaft zu verbessern. Die in der und für die Schifffahrtsbranche Tätigen wissen ebenso wie die am Welthandel Beteiligten und auch die Mehrzahl der Küstenbewohner um die wichtige Rolle der Schifffahrt in einer globalisierten Welt. Doch häufig ist schon mit etwas Distanz zur Küste vergessen, was die Schifffahrt für unser aller Leben bedeutet. Gerade zu den bevorstehenden Festtagen mag man sich aber wieder einmal bewusst fragen, wie viele der Dinge, die unser Leben bereichern, auf dem Seeweg zu uns gekommen sind. Der Anteil der seewärtigen Transportkosten an den Verkaufspreisen vieler Konsumgüter ist mittlerweile so verschwindend gering, dass er nicht mehr ins Gewicht fällt. Aber auch die Deckung unseres Energiebedarfs und die Versorgung mit Nahrungsmitteln hängen zu einem Großteil von einer gut funktionierenden Schifffahrt ab. In diesem Zusammenhang wird häufig zusammenfassend die Aussage getätigt, “that without shipping half of the world would starve and the other half would freeze!” (ohne Schifffahrt würde die eine Hälfte der Weltbevölkerung verhungern und die andere erfrieren).
Auch in Europa gibt es mehrere Initiativen, um der breiten Öffentlichkeit die Bedeutung der Schifffahrt näher zu bringen. Hierzu gehört u.a. das „Maritime Industries Forum (MIF)“, das sich unter anderem als Sammelpunkt für maritime Informationen unterschiedlicher Art versteht. So findet sich dort beispielsweise der aktuelle Jahresbericht der European Community Shipowners' Association (ECSA, die Organisation der Reederverbände des europäischen Wirtschaftsraums). Diesem ist zu entnehmen, dass die im Europäischen Wirtschaftsraum registrierte Flotte mittlerweile eine Größenordnung von 220 Mio. BRZ (dies entspricht mehr als 5.000-mal der „HLL Atlantic“) erreicht hat, was einem Anteil von 22 % an der Welthandelsflotte gleichkommt. Betrachtet man die Flotte, die insgesamt aus dem europäischen Wirtschaftsraum heraus kontrolliert wird, also unter Einbeziehung der andernorts registrierten Schiffe, erhöht sich der Anteil an der Welthandelsflotte sogar auf beachtliche 41 %. Insbesondere im Bereich der Containerschifffahrt trägt Deutschland einen Großteil zu dieser prominenten Rolle der europäischen Schifffahrt in der Welt bei: Gemessen an der weltweiten Containerschiffskapazität in TEU liegt der Anteil der von deutschen Reedern kontrollierten Flotte bei 38 %. Auch in den anderen Schifffahrtssegmenten sind deutsche Reedereien umfassend tätig und betreiben im Weltvergleich eine überwiegend sehr moderne Flotte, die den neuesten Anforderungen in puncto Umweltschutz und Sicherheit entspricht. Bislang unterstützte die deutsche Bundesregierung auch durch so genannte Seeschifffahrtsbeihilfen den Betrieb von Schiffen unter deutscher Flagge. Hiermit sollen Kostennachteile gegenüber anderen Schifffahrtsnationen ausgeglichen sowie die Ausbildung und Beschäftigung auf Schiffen unter deutscher Flagge gefördert werden.
Anlässlich der siebten nationalen maritimen Konferenz im Mai 2011 in Wilhelmshaven verwies Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, auf die Beschäftigungswirkung der gesamten deutschen maritimen Industrie: „Die maritime Wirtschaft ist mit mehr als 380.000 Beschäftigten und einem jährlichen Umsatzvolumen von rund 50 Milliarden Euro ein wichtiger Wirtschaftszweig in Deutschland. Die Anzahl hochwertiger Arbeitsplätze an Land, z. B. in Reederei- und Maklerunternehmen, hat sich positiv entwickelt. Das Investitionsvolumen deutscher Reeder ist kontinuierlich gestiegen. Hiervon hat auch der gesamte deutsche maritime Cluster (z. B. Zulieferindustrie) – auch in den küstenfernen Bundesländern – profitiert.“ Insofern bleibt zu hoffen, dass seitens der Politik die deutsche Seeschifffahrt auch in Zukunft wieder stärkere Unterstützung finden wird.
Die Vertreter der maritimen Wirtschaft sollten in ihren Bemühungen nicht nachlassen, den politischen Entscheidungsträgern die überragende Rolle der maritimen Wirtschaft zu verdeutlichen.
Ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg steht in drei Jahren bevor:
Am 20. Mai 2014 wird der 2008 ins Leben gerufene „European Maritime Day“ erstmals in Deutschland, in der Freien Hansestadt Bremen, begangen – eine gute Gelegenheit, den Bürgern Europas – und ihren Politikern – das große Verdienst der Schifffahrt für unser modernes Leben nahezubringen.